Weibliche Sexualität ist kompliziert – oder?

Sex scheint für Frauen oft etwas Kompliziertes und Störungsanfälliges zu sein: Nur unter diesen Bedingungen, nur in diesem Umfeld, mit dieser Musik, genau dieser Ablauf, diese Berührungen, diese Art zu küssen. Und Orgasmen sind überhaupt eine eigene Wissenschaft.

Ok, weibliche Sexualität ist so lange unterdrückt worden, dass es schon ein großer Fortschritt ist, wenn Frauen jetzt genau sagen können, was sie wollen, wie sie es wollen, wenn sie ihr „Gaspedal“ und ihre „Bremse“ kennen (sehr schön beschrieben in Emily Nagoskis Buch „Komm wie du willst“).

Neugier und Selbstvertrauen

Ein nächster Schritt wäre, wenn Neugier und Selbstvertrauen wieder ins Spiel kommen. Wenn Frauen nicht mehr so abhängig davon sind, dass ihnen das Außen Vertrauen gibt, sondern dass sie das Vertrauen und die Sicherheit in sich selbst entdecken. Dass sie sich auf ihre Lust und ihr Vergnügen konzentrieren können, auch wenn es vielleicht Störungen im Außen gibt.

Dass sie sich so wohl und zuhause in ihrem Körper fühlen, dass sie sich beinahe jederzeit ganz natürlich und selbstverständlich kopfüber in ihre Sinnlichkeit fallen lassen können. 

Je besser es mir mit meinem Körper und meiner Sexualität geht, umso weniger bin ich auch davon abhängig, an einen „guten Liebhaber“ zu kommen. Dann kümmere ich mich eben selbst um meinen Spaß, atme, bewege mich, mache Töne und zeige ihm, wo’s lang geht… 😉 

Bestätigung durch das Begehren der Männer

Ich sehe so wenige Frauen, die wirklich Freude an ihrer Sexualität haben, selbst in sexpositiven Räumen… und so viele Männer, die danach hungern, dass Frauen sexuell erreichbar sind.

Wenn ich mir Frauen z.B. in selbstgemachten Wohnzimmer-Erotik-Videos anschaue, dann sehe ich so gut wie nie verspielte Neugier, Lachen, Freude an der körperlichen Begegnung, Augenkontakt, spontane Lust und Hingabe.

Ich sehe immer gleiche Abläufe, Posieren für die Kamera, eine bemühte Performance… – wozu die Anstrengung? Um Männern zu gefallen? Das ist ein bisschen wenig im Vergleich dazu, was an Ekstase und Glück möglich wäre, wenn mehr Frauen tatsächlich in ihrem Körper wohnen, sich selbst lieben und mit Sinnlichkeit beschenken würden.

Was brauchen Frauen?

Was brauchen Frauen, um sich sicher zu fühlen, sich fallen lassen zu können in intimen Situationen?

Unter anderem gesellschaftlichen Rückhalt, besonders von anderen Frauen. Wenn es nicht mehr darum geht, ob mich die andere für eine Schlampe hält, für zu alt, zu dick oder zu wenig schön um guten Sex zu haben, nicht mehr darum, ob andere neidisch sind auf meinen direkten Zugang zur Lust.

Manchmal erzählt mir eine Freundin mit verschwörerischem Lächeln, dass sie gestern tollen Sex mit ihrem Partner hatte. Ich grinse zurück, nicke vermeintlich wissend und dann suchen wir uns schnell wieder ein neues Thema. Eigentlich sollte ich sagen: „Wow, ich freu mich für dich! Erzähl mal – was genau war denn so besonders toll?“

Aber es fehlen uns schlicht die Worte. Wie soll sie mir beschreiben, was sich diesmal so neu und anders angefühlt hat, warum sie Empfindungen hatte, die sie vorher so noch nicht kannte, was ihr Körper gemacht hat in dieser Welle der Ekstase?

Wir sollten uns Zeit nehmen, solche Gespräche zu führen. Lernen, mit Unsicherheit und Scham umzugehen, die dabei sehr wahrscheinlich aufkommen. Um einander besser kennenzulernen. Um zu erkennen, dass wir unterschiedlich, aber letztlich gar nicht so verschieden sind. Um voneinander zu lernen und uns Inspiration zu holen. Um uns gegenseitig zu unterstützen und „Sisterhood“ zu leben.

…und vielleicht ist es eines Tages sogar möglich, dass eine Frau die andere im Arm halten und mit leuchtenden Augen betrachten kann, während diese gerade einen fantastischen Orgasmus hat – dann wäre die Welt doch ein Stück mehr in Ordnung, oder? 😉 

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Foto: privat

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