„Verheimlicht mir mein Partner etwas?“ – Teil 2 der Artikelserie „Wahrhaftige Beziehung“

Verheimlicht mir mein Partner etwas?
Oder belügt er/sie mich sogar bewusst?

Nagen Zweifel und Misstrauen an Dir und lassen Dich nachts nicht schlafen? Fragst Du Dich, ob Du hintergangen und betrogen wirst? Und was Du tun sollst, wenn es tatsächlich so ist?

Je mehr Du darüber nachdenkst, umso klarer wird Dir, dass ein offenes Gespräch mehr als nötig ist. Und zwar bald.

Wütende Vorwürfe bringen Euch nicht weiter

Mach nicht den Fehler, deinen Partner / deine Partnerin bei der nächstbesten Gelegenheit mit Anschuldigungen, Verdächtigungen und Vorwürfen zu überschütten.  Das führt nur zu Streit, noch mehr Distanz und Verschlossenheit.

Bereite das Gespräch gut vor.

Überlege Dir, welcher Grund für Heimlichkeiten aus dem ersten Teil der Artikelserie auf Deinen Partner zutreffen könnte:

  • Ist er / sie jemand, der größten Wert auf persönliche Freiheit legt und sich schnell kontrolliert und bevormundet fühlt?
  • Kann es sein, dass er / sie sehr hohe Ansprüche an sich selbst hat und sich nun schämt, einen Fehler zuzugeben?
  • Ist er / sie jemand, der große Angst davor hat, abgelehnt und verurteilt zu werden und deshalb lieber den Schein aufrechterhält?
  • Spielt er / sie generell gerne mit dem Risiko und könnte eine heimliche Romanze einen ganz besonderen Reiz für ihn / sie haben?
  • Oder ist er / sie eher konfliktscheu und wählt daher lieber den scheinbar „einfacheren Weg“ der Heimlichkeit um einer offenen Konfrontation aus dem Weg zu gehen?

Gleichzeitig überlege Dir, was Dir selbst in Eurer Partnerschaft besonders wichtig ist:

  • Ist Dir vor allem wichtig, dass die „Basis“ stimmt und Ihr beide zu Eurer Beziehung steht, in der es aber auch persönliche Freiheiten gibt?
  • Ist Loyalität ein wichtiger Wert für Dich?
  • Willst Du „alles“ mit Deinem Partner / Deiner Partnerin teilen?
  • Bist Du sehr harmoniebedürftig und willst vor allem keine Konflikte?

Überprüfe ehrlich, was in Dir selbst vorgeht. Welche Gefühle sind gerade sehr stark?

  • Hast Du Angst davor, am Ende als der / die „Dumme“ und „Ahnungslose“ dazustehen?
  • Hast Du vor allem Angst, verlassen zu werden und wieder allein zu sein?
  • Bist Du wütend, weil Du das Gefühl hast, dass Dein Vertrauen missbraucht wurde?
  • Fühlst Du Dich hilflos, weil Du die Situation nicht mehr kontrollieren kannst?
  • Bist Du verwirrt und wie gelähmt, weil Du nicht weißt, was Du als nächstes tun sollst?

Vielleicht merkst Du, dass Du schon in der Vorbereitung des klärenden Gesprächs Hilfe brauchen kannst. Dann nimm gerne hier mit mir Kontakt auf.

Wenn Du Dir einigermaßen klar darüber bist, mit welcher Absicht Du in das Gespräch mit Deiner Partnerin / Deinem Partner gehen willst, und wenn Deine Gefühle Dich nicht mehr überwältigen, dann wähle einen Ort und einen Zeitpunkt, an dem Ihr in Ruhe sprechen könnt.

Ruhig und konkret

Beschreibe als erstes möglichst konkret und ohne Vorwurf (auch nicht in der Stimme!), was Dir aufgefallen ist. Etwa so:
„In der letzten Woche warst Du dreimal erst gegen Mitternacht zuhause und zweimal konnte ich Dich am Telefon nicht erreichen. Das kenne ich so nicht von Dir und das beunruhigt mich.“

Oder: „Wenn ich versuche, mit Dir zu reden oder Dir in die Augen zu schauen, wendest Du den Blick ab oder gehst aus dem Zimmer. Das verunsichert mich. Deshalb habe ich Dich heute um dieses Gespräch gebeten.“

Dabei beschreibst Du auch gleich Deine Gefühle, die das Verhalten bei Dir ausgelöst hat.

Bleib bei Dir

Du merkst schon, dass es vor allem darum geht, bei Dir selbst zu bleiben und über Deine Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, anstatt dem Partner Vorwürfe zu machen. Sag ihm / ihr, wie es Dir geht und was Du brauchst, um Dich in der Beziehung wohl und sicher zu fühlen. Dann bitte ihn / sie, ebenso offen darüber zu sprechen, wie es ihm / ihr gerade geht und ob es etwas gibt, was ausgesprochen werden sollte.

Wahrscheinlich hoffst Du an diesem Punkt insgeheim noch, dass Du Dich geirrt hast, dass alles ganz anders ist und in Wahrheit total harmlos. Möglich.

Vielleicht bekommst Du aber auch etwas zu hören, das Dir gar nicht gefällt. Das Dich ausflippen lässt. Oder wegrennen. Oder totstellen.

Wie Du mit Gefühlen umgehst, die bei einem „Geständnis“ Deines Partners / Deiner Partnerin aufkommen können und Dich zu überwältigen drohen, zeige ich Dir im vierten Artikel dieser Serie. Schon mal vorab: Weiteratmen hilft in jedem Fall!

Eine persönliche Geschichte…

Wenn Dein Partner / Deine Partnerin Deine Grenzen übertritt und Vereinbarungen verletzt, kann das ganz schön an Deinem Selbstbild rütteln.

Ich war zum Beispiel immer felsenfest davon überzeugt, dass ich nicht mit einem Raucher zusammen sein kann: „Das geht gar nicht!“

Es ist schwer, Rauchen zu verheimlichen, besonders wenn jemand so eine feine Nase hat wie ich. Also musste mein Partner irgendwann eingestehen, dass er wieder zu rauchen begonnen hatte. Was aber tun mit meiner Überzeugung, dass ich und ein Raucher nicht zusammengehen?

Es hat viele wut- und tränenreiche Konflikte und Kämpfe gegeben, in denen ich unnachgiebig meine Überzeugung vertreten habe, dass Rauchen die ungesündeste, furchtbarste und unerträglichste Unart überhaupt ist und unsere Beziehung nur Zukunft hätte, wenn mein Partner schleunigst damit aufhören würde.

Er war prinzipiell einsichtig, konnte in manchen Phasen aber trotzdem nicht von den Zigaretten lassen.

Was steht dahinter?

Bis ich mit der Zeit verstand, warum ich dermaßen „allergisch“ auf sein Rauchen reagierte (neben all den berechtigten Gründen): Rauchen war ja auch irgendwie „cool“.  Die „coolen“ Mädchen und Jungs standen auf dem Pausenhof immer in der Raucherecke. Dort gab es die spannendsten Gespräche. Und ich war immer das „brave“ Mädchen gewesen, das sich nie getraut hatte, so etwas „Verbotenes“ und „Verruchtes“ zu tun.

Ja, es gab einen Teil in mir, der meinen Partner um dieses „Laster“ beneidete, um die gesellschaftliche Funktion, die es hatte, um die Selbstbestimmung, die er sich nicht nehmen ließ, um die versteckte Nische, in die er sich zurückziehen konnte, wenn ihm alles zu viel wurde.

Ich begann mich für sein Verhalten zu interessieren, fragte nach: „In welchen Situationen bist Du besonders anfällig fürs Rauchen? Welche „Rituale“ verbindest Du damit? Was gibt es Dir?“

Ich sah seine Scham, die Sucht manchmal nicht kontrollieren zu können, und seine Unzufriedenheit mit sich selbst, nicht endgültig von den Zigaretten loszukommen.

Je mehr ich ihn und mich selbst verstehen konnte, umso mehr Entspannung kam in das Thema. Wir einigten uns auf gewissen Regeln, etwa, dass er auf Dienstreisen rauchen konnte, aber dass er ein paar Stunden bevor er heimkam damit aufhören sollte. Die Konsequenz, wenn er sich nicht daran hielte, war schlicht und einfach, dass ich ihn dann nicht küssen würde und dass es mehr Distanz zwischen uns gäbe.

Wir haben ein paar Experimente gemacht:

Ich wollte ihn sehen beim Rauchen. Das hat ihn ganz schön Überwindung gekostet, vor mir zu seinem „Laster“ zu stehen und sich dabei zusehen zu lassen. Und mich hat es Überwindung gekostet, ihn möglichst neutral zu beobachten und dabei nochmal alle meine Urteile und Vorwürfe an mir vorbeiziehen zu lassen.

Außerdem habe ich selbst einmal eine Zigarette probiert und mich ganz auf das Gefühl eingelassen, was es mit mir macht, wenn ich selbst rauche, ja sogar, wenn ich nur eine brennende Zigarette in der Hand halte. Das war ein spannendes Experiment.

Mittlerweile bin ich soweit, dass es ein Teil von mir sogar ab und zu sexy finden kann, wenn er nach Rauch riecht, weil ich mir dann vorstellen kann, dass er ein fremder Cowboy ist, der wild und ungezügelt direkt aus dem letzten Prärie-Abenteuer in meinem Bett gelandet ist… 😉

Und für meinen Partner hat sich das Thema auch entspannt, denn je weniger heimlich er damit umgehen muss, umso uninteressanter wird es für ihn.

Ich hoffe, ich konnte Dir schon ein paar „Aha-Momente“ bescheren und zu mehr Klarheit beitragen. Wenn Du darüber hinaus Hilfe benötigst, um Dein inneres Chaos aufzulösen, melde Dich gerne bei mir. Ich bin Paar- und Intimitäts-Coach und biete Online-Coachings –  das heißt, Du kannst mein Angebot nutzen, egal wo Du wohnst!

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