Pflichterfüllung oder Spielfreude?

Eine meiner Klientinnen erzählte mir vor Kurzem folgende Geschichte:

„Es war letzte Woche…  ich war mitten in den Vorbereitungen für die Geburtstagsparty unseres Sohnes. Der war im Kindergarten. Mein Mann musste heute nicht ins Büro. Auf einmal kam er ins Zimmer und fragte: „Weiterarbeiten oder eine Runde Sex?“

Soll ich…? Darf ich…? Kann ich…?

Er lächelte mich an. Ganz freundlich. Ich wusste, dass er auch noch viel zu tun hatte und ich „ja“ oder „nein“ sagen konnte – es wäre ok. Schnell ging ich im Kopf meine Liste durch: Geburtstagstorte verzieren, Dekoration aufhängen, Spiele vorbereiten, Geschenke verpacken – und noch zwei Stunden Zeit. Ich war gestresst und überhaupt nicht in erotischer Stimmung. Trotzdem freute mich sein Angebot. Also sagte ich: ‚Ok, 20 Minuten – lass es uns versuchen!‘

Wir zogen uns aus, legten uns aufs Bett und begannen, uns zu streicheln und zu küssen. Es dauerte ein bisschen, bis ich den Kopf freimachen und mich auf unser Spiel einlassen konnte, aber dann genoss ich es sehr.

Wir hatten bewusst keinen Orgasmus, um nicht in diesen Zustand entspannter, gesättigter Müdigkeit zu kommen, sondern wach und angeregt zu bleiben. Nach 20 Minuten verabschiedeten wir uns mit einem langen Kuss und gingen wieder an unsere Arbeit.

Was für ein schönes Gefühl…

Nach unserem Zusammensein ging mir alles viel leichter von der Hand, ich fühlte mich zufrieden und ausgeglichen. Das Geburtstagsfest wurde ein voller Erfolg, mit einer strahlenden, entspannten Mama. Nach dieser Erfahrung glaube ich, dass es gar nicht so sehr darauf ankommt, von vorn herein „in Stimmung zu sein“, sondern Gelegenheiten einfach zu nützen – besonders als Eltern.“

Da konnte ich ihr nur beipflichten. „Der Appetit kommt beim Essen,“ ist ein Spruch, der sich durchaus bewahrheiten kann, auch in der sexuellen Begegnung. Vor allem Frauen glauben oft, dass sie erst Lust haben müssten, um mit ihrem Partner erotisch zusammen sein zu können. Das Entscheidende ist aber nicht die Lust, sondern die Bereitschaft, sich auf die Begegnung einzulassen, ganz da zu sein, und herauszufinden, was es gerade braucht.

„Weißt Du, ich bin richtig stolz auf mich, dass ich diesmal nicht der Pflichterfüllung den Vorzug gegeben sondern mich für den Spaß und das Zusammensein entschieden habe! Früher hätte ich meinen Mann wahrscheinlich nur entgeistert angeschaut, wie er überhaupt auf die Idee kommen konnte, JETZT Sex zu wollen, und kategorisch abgelehnt.

Wer A sagt muss nicht B sagen

Was mir geholfen hat, war, dass ich keinerlei Druck von seiner Seite gespürt habe. Und dass Du mir beigebracht hast: ‚Wer A sagt muss NICHT B sagen.‘ Früher ist unser Liebesspiel immer dem gleichen Muster gefolgt: kurze Stimulation mit der Hand, eindringen, gleichförmige Stoßbewegungen, sein Orgasmus, ein kleines Seufzen von mir, noch ein bisschen kuscheln, Ende. Da ich schon im Vorhinein wusste, wie es ablaufen würde, hatte ich darauf oft keine Lust und fand Ausreden, wenn er mich fragte.

Heute wissen wir, dass Sex viel schöner ist, wenn wir uns ohne Absicht und Ziel hineinfallen lassen. Unsere Körper wissen schon, was ihnen gut tut, wenn wir auf sie hören. Und mein Mann ist jetzt auch glücklicher, weil er nicht mehr so viel Druck hat.“

Ich freute mich sehr über den Bericht meiner Klientin und gratulierte ihr zu ihrer Entscheidung für mehr Lust in ihrem Leben. Folgendes gab ich ihr noch mit auf den Weg:

„Es gibt tatsächlich viele Möglichkeiten, ohne Penetration intim zu sein, wenn die Zeit zu kurz ist, damit die Vagina wirklich bereit wird für den Penis. Auch wenn man einfach nur nackt aneinandergekuschelt auf dem Bett liegt, die warme weiche Haut genießt und gemeinsam atmet, kann das „Sex“ sein, der Glücks- und Bindungshormone ausschüttet, Stress reduziert und den Tag strahlender macht!“

Viel Vergnügen! ❤

 

Foto: pixabay, TerriC.

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