Berührung, die „Ahhhh…“ macht

Ich glaube, dass die meisten Frauen in einer sexuellen Begegnung immer ein Stück weit „auf der Hut“ sind. Dass es einen Teil in uns gibt, der sagt: „Pass auf, das könnte sich nicht richtig anfühlen. Das könnte unangenehm sein. Das könnte vielleicht sogar weh tun!“ Kein Wunder, nachdem ein Großteil der Frauen schon Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen oder sogar sexualisierter Gewalt gemacht hat. Und gut, dass es diesen Teil in uns gibt, der auf uns aufpasst und uns beschützen will.

Das heißt aber im schlechtesten Fall auch, dass wir uns nur schwer oder gar nicht hingeben können. Dass wir nie GANZ in unserem Körper sind, sondern immer ein bisschen verhalten, einen Ticken zögerlich und zurückhaltend, uns nie so ganz einlassen können auf den Moment. „Ich weiß nicht, ob ich dem trauen soll. Will ich das wirklich? Ist das gut für mich?“ Ein Teil von uns bleibt vorsichtig und misstrauisch.

Der Beschützer-Anteil

Dass dieser „Beschützer“-Anteil so aktiv und wachsam ist, hat aber nicht nur etwas mit früheren negativen Erfahrungen zu tun, sondern generell mit der Art und Weise, wie wir Sex haben. Diese Zweifel sind da, weil wir tatsächlich oft auf eine Weise angefasst werden, die nicht angenehm ist, die uns nicht gut tut – zu schnell, zu hart, zu unachtsam, zu unsensibel – und wir glauben, das wäre normal. „Sex ist eben heftig, fordernd, heiß, wild und ein bisschen grob…“ denken wir uns und vergleichen unser aktuelles Erleben mit den Bildern aus Pornos.

Das, was uns helfen könnte, vertrauensvoll los zu lassen, sind Berührungen, die so weich, so warm, so sensibel sind, dass sich unser Körper ihnen entgegen strecken und wölben will. Berührungen, denen wir uns wohlig und mit Behagen entgegen räkeln. Berührungen, nach denen wir uns sehnen und unter denen sich unser Körper vertrauensvoll öffnen kann.

Die Kunst der Berührung

Das ist eine ganz große Kunst – so zu berühren, dass im anderen alles „Ja“ ruft. Dass diese Stimme, die immer so ein bisschen „hm… weiß nicht, nicht so angenehm…“ sagt, ganz verstummen darf, dass sich dieser wachsame Teil komplett entspannen darf. Weil wir uns in der Begegnung so sicher, so gesehen, so beachtet fühlen, dass wir uns völlig hingeben können. Weil es sich so sinnlich, so meisterlich, und gleichzeitig so geborgen anfühlt.

Das kann man lernen – „Die Kunst der Berührung“ wird aber leider nicht in der Schule gelehrt. Was es vor allem dazu braucht ist Zeit, Präsenz und eine absichtslose innere Haltung. Dann kann Berührung heilsam sein und in eine ganz tiefe Hingabe führen, die beide Partner berührt und beglückt.

 

 

Foto: Pexels.com

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es ist (jetzt hätte ich fast „leider“ geschrieben) ja meist so, dass Paare zusammenkommen weil sie sich sympathisch sind, gegenseitiges Vertrauen aufbauen und sich ineinander verlieben. Bei vielen Paaren machen sowohl Frauen als auch Männer dann Abstriche beim Sex. Ich bin erschrocken darüber wie oft ich im Internet lese, dass die Menschen sich besseren Sex wünschen, nicht befriedigt werden, sich benutzt fühlen usw.
    Auch wenn es in unserer Gesellschaft verpöhnt ist, finde ich die Partnerschaftsfindung über den Sex besser.
    Ich glaube, dass Paare, die aus einer Affäre entstanden sind, glücklicher sind. Erst war der gute Sex, dann hat man sich verliebt und ob man dann letztendlich zusammenbleibt ist wie immer eine andere Frage. 😉

    1. mysexysalad sagt:

      Schöne Sichtweise – Danke! 🙂

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