Fünf Gründe, warum Heimlichkeiten in Beziehungen out sind

Heimlichkeiten. Was hat es damit auf sich? Warum tauchen sie in so vielen Beziehungen auf, obwohl die meisten Menschen Ehrlichkeit und Vertrauen als höchstes Gut betrachten? Und warum sind sie heute weniger angebracht denn je?

1 – Verheimlichen ist Stress pur

Jens trifft sich seit einiger Zeit heimlich mit Jenny. Zuhause erzählt er, dass er beim Tennis-Training ist. Nach dem Treffen läuft er noch eine Runde, um ein verschwitztes T-Shirt und miefige Tennissocken vorzeigen zu können. Bisher hat seine Frau noch keinen Verdacht geschöpft, aber Jens hat Angst, ihr in Gesicht lügen zu müssen, sollte sie ihn einmal direkt nach Einzelheiten des Trainings fragen. Bisher hat sie sich immer mit einem „War gut…“ abgefunden.

Zusätzlich zum Problem mit den verschwitzten Sportklamotten muss Jens noch verräterische Anrufe und Nachrichten, fremden Parfum-Duft und Spuren von Jennies Fingernägeln an seinem Rücken vermeiden. Was als entspannendes, belebendes Abenteuer gedacht war ist mit der Zeit zum echten Stressfaktor in seinem ohnehin schon stressigen Leben geworden. Immer öfter spielt er mit dem Gedanken, Jenny zu verlassen, doch er hat Angst, dass sie aus Rache seiner Frau etwas von der heimlichen Affaire stecken könnte… und das macht ihm den größten Stress…

Es gibt genügend Dinge in Deinem Leben, die Dich fordern, die Deine Energie und Aufmerksamkeit brauchen. Mach es Dir nicht noch schwieriger, indem Du eine heimliche Affaire beginnst. In ersten Moment mag das der „einfachere Weg“ sein – nichts sagen, nicht direkt lügen, natürlich nicht, nur die Details ein klein wenig verändern, etwa, dass der Freund, mit dem man gestern noch auf ein Bier war, eigentlich eine Freundin war und das Bierlokal ihre Wohnung. Mit der Zeit wird es immer komplizierter und irgendwann kommst Du nicht mehr raus aus der Nummer ohne mehrere Menschen – einschließlich Dich selbst – zu verletzen…

2 – Die digitale Welt ist Dein Feind

„Nie ist es einfacher gewesen, zu betrügen, und nie zuvor ist es schwieriger gewesen, es geheim zu halten,“ sagt die bekannte amerikanische Paar-Therapeutin Esther Perel. Früher fand man einen Schatten von Lippenstift auf dem Hemdkragen, heute sind es hunderte von Nachrichten über Sehnsucht und Begehren auf dem Handy. Unsere digitale Welt speichert jeden Schritt, beinahe jeden Gedanken. Keine guten Zeiten für Heimlichkeiten!

Schau mal hier: „Muss ich meinem Partner alles sagen?“

3 – Heimlichkeiten haben nichts mit Liebe zu tun

Oft höre ich das Argument: „Das kann ich meinem Partner nicht erzählen, das würde ihn fertig machen, damit könnte er nicht umgehen, das will ich ihm nicht antun!“ Dieser Wunsch, den Partner zu schützen vor unseren „dunklen Seiten“ ist verständlich, hat aber zur Folge, dass wir etwas vorspielen, eine Maske tragen, nicht authentisch sind.

Wir wünschen uns heute, Beziehungen auf Augenhöhe zu führen, mit einem Partner, der uns ebenbürtig ist. Den Partner ernst nehmen heißt auch, ihm zuzutrauen, mit Krisen und Problemen umgehen zu können, daran zu wachsen und sich zu entwickeln. Entweder Du kannst Dich zumuten mit dem was Du denkst, wünschst und tust, die Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen aushalten, oder Du solltest Dir überlegen, ob Du wirklich bereit bist, Dich auf eine verbindliche Partnerschaft einzulassen.

4 – Du nimmst Deinem Partner die Chance, Dich wirklich kennen zulernen und Dir nahe zu sein

Klar, die Dinge, die wir heimlich tun sind meistens nicht die, auf die wir besonders stolz sind. Heimlich rauchen, zu viel Schokolade essen, nächtelang Computer spielen, mit Fremden chatten…

Aber wenn wir unserem Liebsten auch die Seiten an uns zeigen, wo wir schwach sind, wo wir uns nicht 100%ig im Griff haben, wo wir auch mal Versuchungen nachgeben, dann machen wir echte Nähe möglich. Vorausgesetzt natürlich, der Partner reagiert liebevoll und zugewandt, und kann uns auch mit unseren Schwächen annehmen.

(Achtung! Das heißt nicht, dass Du Deine Gefühle zurückhalten und alles verstehen sollst! Wenn Dich die Offenbarung Deines Partners wütend, eifersüchtig, neidisch, ärgerlich, traurig oder alles zusammen macht, dann hat das auch seinen Platz! Die grundsätzliche Haltung ist entscheidend. Wenn Du bei denen Gefühlen bleibst, ohne ihn zu verurteilen und niederzumachen, und Dich damit genauso nackt und verletzlich zeigst, dann kann Verbundenheit entstehen.

Und Du bist auch nicht dazu da, ihn zu entschuldigen, ihm die Beichte abzunehmen oder irgendetwas zu „erlauben“. Du bist kein Elternteil, kein Priester oder Richter. Du bist einfach der Partner, der eine ungeliebte Seite sieht und anerkennt.)

Wir sind alle nicht perfekt. Wir sind Menschen mit all unseren Stärken und Schwächen. Stell Dich nicht über Deinen Partner, wenn er Dir einen Fehler eingesteht. Anerkenne ihn für seinen Mut und sein Vertrauen. Und vielleicht hält die Situation dann eine überraschende Wendung bereit: Dinge, die nicht mehr heimlich sind, verlieren nämlich ganz oft und sehr plötzlich ihren Reiz und sind dann gar nicht mehr soooo interessant…

5 – Wenn es auffliegt ist der Schaden groß

Das Schlimmste an Affären, die auffliegen, ist meistens nicht die Affäre selbst, sondern der Schmerz, oft jahrelang belogen worden zu sein. Das ist der größte Vertrauensbruch. Auch wenn der „worst case“ eingetreten ist, muss das nicht das Ende der Beziehung bedeuten. Aber es ist wesentlich schwieriger, mühsamer und schmerzhafter, aus dem tiefen Sumpf aus Lüge und Betrug wieder herauszukommen und neues Vertrauen aufzubauen, als rechtzeitig miteinander zu sprechen.

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Redet miteinander!

Daher: Habt den Mut, miteinander über Eure Wünsche, Sehnsüchte, Bedürfnisse, aber auch über Eure „Schattenseiten“, darüber was Euch an Euch selbst nicht so gut gefällt, zu sprechen. Und zwar rechtzeitig, bevor etwas „passiert“ ist!

Sprecht darüber, wie Ihr Euch Ehrlichkeit in Eurer Beziehung vorstellt, was unbedingt gesagt werden soll und was nicht so bedeutsam ist. Jeder hat andere Bereiche, die „heikel“ sind – vielleicht bist Du überrascht, was Deinen Partner völlig kalt lässt, und was ihn hingegen total „triggert“.

Partnerübung

Am besten bewährt hat es sich für viele Paare, ein- bis zweimal pro Woche (in Krisenzeiten auch öfter) folgende Übung zu machen:

Beide Partner sitzen einander gegenüber. Einer nimmt den Redestab (ein Stein, ein Stück Holz, eine Kugel…) und hat 10 Minuten Zeit und die volle Aufmerksamkeit des Partners. In dieser Zeit kannst Du Dich zeigen wie Du bist, in Dir selbst nachforschen, was Deine ganz eigene Wahrheit ist. Es darf nicht unterbrochen und kommentiert werden.

Wenn Du zuhörst, versuche die innere Haltung eines wohlwollenden Buddhas einzunehmen. Öffne Dich für das was Du hörst, bemerke Deine Gefühle, Deine Widerstände und Dein Berührt-Sein, aber gibt ihm keine Energie. Bleibe mit Deiner Aufmerksamkeit bei Deinem Partner. Überlege auch nicht schon während er spricht, was Du später sagen wirst. Versuche, wie ein leeres Gefäß zu sein.

Nach 10 Minuten wird gewechselt, und dann gibt es noch eine Runde wo jeder 5 Minuten Zeit hat, zu sagen was noch wichtig ist. Sprich immer über Dich selbst. Ganz wichtig ist auch, dass sich am Anfang beide verpflichten, da zu bleiben und den Austausch nicht abzubrechen, besonders, wenn heiße Themen auf den Tisch kommen.

Hol Dir Hilfe!

Wenn Du Dich schon länger mit dem heißen Thema „Heimlichkeiten“ herumschlägst, ein klärendes Gespräch mit Deinem Partner / Deiner Partnerin ansteht, und Du gerne im Vorfeld Unterstützung hättest, dann nimm hier Kontakt mit mir auf. Ich bin Paar- und Intimitäts-Coach und helfe Dir gerne weiter.

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