Entscheide Dich!

Nächste Woche veranstalte ich ein Frauenfest. Ich habe ein Tanzstudio gemietet, nächtelang an meinen Playlists gefeilt und eine Menge Zeit und auch ein bisschen Geld in Werbung gesteckt.

Bis heute haben acht tolle Frauen gesagt: Ja, ich komme. 25 signalisieren auf Facebook den Status „Interessiert“. Zehn weitere haben gesagt: „Ich würde gerne kommen.“

Ich kenne ihn gut – den Wunsch, sich bis zur allerletzten Minute alle Optionen offen zu halten. Es könnte ja doch zu kalt / zu regnerisch / zu windig sein, ich könnte zu müde / erkältet / gestresst sein, es könnte noch etwas anderes interessanter sein und es könnte sich in dem Moment „einfach nicht richtig anfühlen“.

Die meisten TrainerInnen können mittlerweile ein Lied davon singen, wie in den letzten Tagen vor einem Seminar, wenn sie dem Seminarhaus schon fast absagen wollten, plötzlich die Anmeldungen eintrudeln, teilweise sogar noch ein paar Stunden vor Beginn. Planungssicherheit war gestern. Frühbucherrabatte und Anmeldeschluss-Termine ändern daran wenig.

Es kommt immer mehr aus der Mode, sich für etwas zu entscheiden, womöglich schon lange im Voraus, einen verbindlichen Entschluss zu fassen und sich zu verpflichten. Das alles hat einen negativen Beigeschmack bekommen. Wir haben Angst, uns dadurch in unserer Freiheit zu beschränken, uns Möglichkeiten entgehen zu lassen.

Freiheit durch Entscheidung

Überraschend kontrovers dazu: Das Gefühl der Befreiung, das entsteht, wenn wir eine klare Entscheidung treffen. Erlöst aus dem angespannten und undefinierten Zustand, zwischen mehreren Optionen gefangen zu sein und sich nicht entscheiden zu können oder zu wollen. Habe ich eine Entscheidung getroffen, habe ich den Kopf wieder frei für die nächsten Schritte.

Besonders intensiv habe ich das bei meinem Feuerlauf vor zwei Wochen erlebt. Ich stehe vor dem großen Glut-Teppich, der in der Finsternis faszinierend orange-rot leuchtet,  zaudernd:  „Ich habe Angst, ich trau mich nicht, ich weiß nicht, ob ich das wirklich tun soll…“ sagt mein Verstand. Die Gruppe, die auf der anderen Seite der Glut steht, bemerkt mein Zögern und ruft mir zu: „Es ist vollkommen ok, wenn Du jetzt nicht gehst. Nur triff eine Entscheidung. Jetzt.“

In dem Moment „werfe ich meinen Kopf weg“. Ich nehme mein Herz in die Hand und laufe los. Eine unglaubliche Erleichterung macht sich breit. Ich habe meine Entscheidung gefällt. Und ich habe es getan. Ich bin über die Glut gelaufen. Weil ich es wollte und dafür gegangen bin.

„Commitment“ heißt „sich einlassen“

Im Englischen gibt es den schönen Begriff „Commitment“, der sich vom lateinischen Verb „committere“ (sich anvertrauen, einlassen) ableitet. Ja, es geht darum, sich auf etwas einzulassen und auch dazu zu stehen, selbst wenn es schwierig oder sogar riskant werden könnte.

Natürlich kann es sein, dass ich mich für eine Veranstaltung angemeldet habe und an dem Abend passt es einfach wirklich nicht. Dann sollte ich mich aber fragen, wer da „es passt nicht“ sagt: Ist das mein „Gremlin“*, der aus Bequemlichkeit und einer Laune heraus verweigert, und lieber mit einer Packung Chips auf der Couch liegen will? Oder ist es die Seite in mir, die für mich sorgen will und vielleicht erkennt, dass im Moment einfach wirklich alles zu viel ist?

Wir leben in einer Zeit, in der uns ständig sehr viele Möglichkeiten offen stehen und in der Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit als große Tugenden gelten. Nur nicht festlegen. Gleichzeitig liebt der Gremlin das Drama, das in dem Satz „Ich kann mich einfach nicht entscheiden!“ steckt. (Ich kann ihn vor mir sehen, wie er sich dabei in einer theatralischen Geste mit dem Handrücken gegen die Stirn schlägt und die Augen verdreht.)

Eine klare Entscheidung zu treffen erfordert Unterscheidungskraft, Mut und Entschlossenheit. Und es fühlt sich toll an, das Zaudern, Abwarten, Nicht-Entschlossen-Sein hinter sich zu lassen und statt dessen klar, fokussiert, gradlinig zu handeln.

Bitte, liebe Interessentinnen am Frauenfest. Entscheidet Euch. Gebt mir ein klares „Ja“ oder „Nein“ und schiebt die Entscheidung nicht bis zum letzten Moment auf. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Euer Gremlin das Ruder übernimmt und Ihr doch mit der Chipspackung auf dem Sofa landet. Wo Ihr definitiv etwas versäumen würdet!** 😉

*Der „Gremlin“ ist ein Begriff aus dem Possibility Management. Er ist der Vertreter Deiner ganz persönlichen Unterwelt, der Dich immer wieder dazu bringt, Deine Schattenprinzipien zu leben. Es ist ein interessantes Forschungsfeld, Deinen Gremlin und seine Strategien kennen zu lernen, damit Du die Führung in Deinem Leben hast und nicht er.

** Letztlich waren wir 20 wunderbare Frauen beim ersten Frauenfest und wir hatten eine Menge Spaß beim Tanzen, Spüren und Begegnen! Weitere Termine findet Ihr hier.

Foto: privat

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