Handarbeitsabend

Kann ein Handarbeitsabend sexy sein? Ja, er kann. Wenn es nämlich nicht um Stricken oder Häkeln geht, sondern um die intime Berührung beim Mann. Und auch diese Kunst will gelernt sein!

Ich war gestern zu so einem besonderen Abend nur für Frauen eingeladen, und bin mit etwas gemischten Gefühlen hingegangen. Ich befürchtete, es könnte möglicherweise so eine pseudo-lustige Junggesellinnen-Abschieds-Gaudi werden, wie ich es bei einer Toy-Party einmal erlebt hatte. Aber da die Gastgeberin Susanne Wendel hieß, die Autorin von „gesundgevögelt“, und Susanne bekanntermaßen für Qualität steht, ließ ich mich überraschen.

„Guten Abend, ich bin Eure Handarbeitslehrerin,“ stellte sich Melanie Fritz aus Erlangen bei uns vor. Wir, das waren um die 30 neugierige Frauen. „Meine Kollegin Andrea Silwanus und ich haben uns vor ein paar Jahren überlegt, wie man die Kunst der Berührung im Intimbereich vermitteln kann, ohne sich gleich auszuziehen,“ begann Melanie ihren „Unterricht“.

Gemeinsam hatten die beiden bei einem Strandurlaub in Kroatien das Konzept für die „Handarbeitsabende“ erarbeitet. Mittlerweile gibt es an die 50 Kolleginnen in vielen größeren Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die diese Events anbieten.

„Mir ist es ein Herzensanliegen, mehr Freude in das Liebesspiel zwischen Mann und Frau zu bringen und den Leistungsdruck rauszunehmen!“ – Melanie Fritz

Zuerst lernen wir im Selbstversuch am Unterarm, dass zu viel monotone Reibung ein Taubheitsgefühl hervorruft. Es gilt also, die gewohnte Autobahn zum Orgasmus zu verlassen, und weniger bekannte, aber durchaus reizvollere Nebenstraßen kennenzulernen.

Bevor es ans Üben der konkreten Griffe und Techniken geht, gibt es noch viel Basis-Wissen über Gleitmittel und Massageöle, das Verhältnis zwischen Lust, Erregung und Erektion und zwischen Orgasmus und Ejakulation. Es geht um die Wichtigkeit der Begrifflichkeiten in der Sexualität (siehe auch meinen Artikel „Ach wie gut dass keiner weiß…“) und Melanie räumt mit weit verbreiteten Mythen über die männliche Lust auf.

Ihr Vortrag lebt von Herz, Humor und Hintergrundwissen. Viele der Informationen wären wohl auch für die meisten Männer neu und hilfreich. Melanie berichtet über ihre Erfahrungen aus ihrer Zeit als Tantramasseurin und unterlegt ihr Praxiswissen mit Erkenntnissen aus der Sexologie.

Und dazwischen werden immer wieder verschiedene Griffe ausprobiert, die den Mann mehr ins Spüren bringen sollen. Es wird nicht am lebenden Objekt geübt und auch nicht an pseudo-realistischen Gummi-Attrappen. Es ist viel stilvoller – lasst Euch überraschen!

Es geht darum, einmal etwas völlig Neues im Bett auszuprobieren, etwas, das es Männern ermöglicht, komplett los zulassen. Männer erleben viel Stress – nicht nur im Job, sondern auch in ihrer Sexualität. „Bin ich gut genug?“ „Ist er groß / hart / ausdauernd genug?“ „Kann ich meine Partnerin befriedigen?“ – das sind alles Fragen und Zweifel, mit denen Männer sich herumschlagen, seit sie Teenager sind.

Einmal nichts tun zu müssen, sich einfach der Berührung hingeben zu dürfen, ist für die meisten Männer eine unglaubliche neue Erfahrung. Eine bessere Kommunikation, mehr Kontakt, Nähe und Berührung auf allen Ebenen – das ist es, worum es Melanie Fritz geht. Darum hat sie die Handarbeitsabende ins Leben gerufen. Und weil die Männer auch neugierig sind und ihren Frauen ebenfalls etwas Gutes tun wollen, gibt es mittlerweile auch HandWERKERabende…

Mein Fazit zum gestrigen Abend: Es gibt mindestens zwei Dutzend mehr Möglichkeiten, einen Mann zu verwöhnen, als es den meisten Frauen – und auch den Männern selbst – bekannt ist. Routine im Bett muss nicht sein, wenn man gelernt hat, wie man die Sensibilität steigert und immer wieder Überraschungsmomente ins Liebesspiel einbaut. Ein amüsanter und lehrreicher Abend, rundherum gelungen!

Alle Angebote und Termine findet Ihr auf www.handarbeitsabend.de

Foto: pixabay

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. hannakrohn sagt:

    Danke für diesen tollen Bericht! Ich biete ebenfalls Handarbeitsabende an und kann bestätigen, dass diese Abende keineswegs peinlich, sondern von ehrlichem Austausch und vielen Aha-Momenten geprägt sind.

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