Der Energiekreislauf zwischen Frau und Mann

Unser letztes Tantra-Seminar ist schon eine Weile her (ziemlich genau so lange wie unser kleines Kind jetzt alt ist), doch verschiedene Erfahrungen, Erkenntnisse und Erinnerungen aus unserem Jahrestraining und vielen anderen Workshops bilden noch immer eine gute Basis für unser Liebesleben. Ein interessantes Konzept, das mir in Theorie und Praxis immer wieder begegnet, möchte ich Euch heute vorstellen.

Wenn Ihr Euch noch nie mit Tantra beschäftigt habt und vielleicht gar nicht wisst, was das ist, findet Ihr hier den Versuch einer kurzen Erklärung (ich kenne die Seminaranbieter auf dieser Website nicht persönlich, aber den Text finde ich gut). Jetzt aber zum heutigen Thema:

Der energetische Kreislauf

In der Tantrischen Lehre gibt es eine interessante Theorie (Tantriker würden von Tatsachen sprechen, aber ich bin da ein bisschen vorsichtig), warum der männliche und der weibliche Körper so gut zusammenpassen und sich gegenseitig zu höchsten Wonnen hochschaukeln können.

Die Annahme lautet, dass es in der Sexualität zwischen Männern und Frauen einen energetischen Kreislauf gibt – und dass man diesen Kreislauf bewusst in Schwung bringen und stimulieren kann. Der Begriff Energie bezeichnet in diesem Zusammenhang eine Art Spannung, Aufladung, Erregung, die im Körper unterschiedlich wahrnehmbar ist. Viele Menschen beschreiben ein Gefühl von Wärme, ein Prickeln oder Strömen, ein Sich-Ausdehnen.

Plus und Minus

Ein System – wie es Mann und Frau zusammen bilden können – tendiert immer zum Ausgleich von Energien. Das heißt Energie fließt vom Ort der Fülle (positiver Pol) zum Ort der Leere (negativer Pol).

Die tantrische Theorie stuft den Penis des Mannes als positiven Pol ein – durchaus nachvollziehbar. Bei Männern ist die sexuelle Lust oft quasi mit einem Fingerschnippen entfacht. Männer übernehmen aus ihrem Begehren heraus häufig die aktive Rolle im Liebesspiel. Die Vagina wird als negativer, aufnehmender Pol gesehen, der sexuelle Energie vom Mann empfängt. So weit auch gut vorstellbar. Jetzt wird’s spannend:

Tun Mann und Frau nichts weiter als sich dieser gegensätzlichen Polung hinzugeben, führt das dazu, dass mehr und mehr Energie vom Mann zur Frau fließt, bis sich der Mann schließlich – nach dem Orgasmus – vollkommen ausgepumpt zur Seite rollt und der Überschwang an Energie die Frau nicht mehr schlafen lässt.

„Ganzkörperenergie“

Es kann aber auch ganz anders laufen: Die Frau kann die empfangene Energie aus ihrem Becken „nach oben ziehen“ und im Brustraum verteilen. Das geht durch Atemtechniken, die im Einklang mit den Bewegungen des Paares erfolgen, und Visualisierung (die Vorstellung, wie die Energie fließt und sich entfaltet). Die Frau nimmt die Energie dann nicht nur genital wahr, sondern als „Ganzkörperenergie“ mit Schwerpunkt im Herzraum – dort, wo wir im allgemeinen die Gefühle verorten. Diesen Überfluss weiblicher Gefühlsenergie gibt die Frau wieder zurück an den Mann – über die Berührung ihres Körpers, die Weichheit ihrer Brüste, den Atem, den Blick aus ihren Augen.

Frauen geben Gefühle ab und Männer sind dafür empfänglich. Auch wenn es die meisten Männer nie zugeben würden – sie dürsten regelrecht danach. Der Mann kann die tiefen Gefühle, die im Sexualakt in der Frau entstehen, wahrnehmen und seinerseits aufnehmen. Als Sinnbild hierzu wird der männliche Brustraum als negativer, empfangender Pol gesehen, die Brüste der Frau als positiver, abgebender Pol.

Wenn es der Mann nun schafft, diese Energie ebenfalls im Körper zu verteilen und per Atemtechnik und Visualisierung wieder in den Beckenbereich sinken zu lassen, ist der Kreislauf geschlossen, und mit zusätzlicher Energie angereichert.

Mehr und mehr Energie fließt in das System, Mann und Frau schaukeln sich immer höher. Nicht die rein sexuelle Energie zwischen den Genitalien ist im Fluss, der Kreislauf schließt die Gefühls- und Beziehungsebene mit ein. Eine ganz neue Qualität des sexuelles Miteinanders ist möglich.

Das mag erstmal ziemlich kompliziert klingen, kann aber eine erstaunliche Erfahrung sein, wenn man es ausprobiert. Die Verbindung zum Partner wird intensiver und inniger, die Anziehung ist stärker spürbar und es entsteht das Gefühl, sich auf einer sehr intimen Ebene auszutauschen. Diese Art des körperlichen Liebens belebt, energetisiert und verjüngt die Partner jedesmal, wenn sie sich tief darauf einlassen.

Spannend. Wie kann ich das lernen?

Für Menschen, die neu auf diesem Gebiet sind, bleiben sicher noch einige Fragen offen:

  • Wie fühlt es sich an, wenn Energie fließt?
  • Wie atme ich am besten, um den Energiekreislauf zu unterstützen?
  • Wie kann ich den Energiefluß visualisieren?
  • Wie bewege ich das Becken dabei?
  • Befinden sich Mann und Frau dabei in Vereinigung?

Antworten kann erstmal ein gutes tantrisches Standardwerk geben, z.B „Zeit für Liebe“ von Diana Richardson oder „Tantra – Die Kunst der sexuellen Ekstase“ von Margot Anand, einer anderen „Grande Dame“ des westlichen Tantra. In Kürze wird es hier auch eine Bücherliste geben mit der Möglichkeit, die empfohlenen Titel mit einem Klick direkt zu bestellen. Einige Themen werde ich selbst noch in Artikeln behandeln, besonders jene, mit denen ich eigene interessante Erfahrungen gemacht habe.

Alternativ oder vertiefend empfehle ich Seminare bei einem guten Tantra-Anbieter. Am besten einfach mal Reinschnuppern bei den offenen Abenden oder Wochenendseminaren mit oder ohne Partner. Darüberhinaus ist Meditation ein hervorragendes Werkzeug, um die Sensibilität für die feinen Energieströme im Körper zu erhöhen, die wir sonst gar nicht wahrnehmen.

Eine bewusst gelebte Sexualität hat viele positive Auswirkungen

In diesem Beitrag geht es mir auch darum, zu zeigen, dass es Traditionen gibt, die sich sehr intensiv mit den positiven Auswirkungen einer bewussten Sexualität beschäftigen. Die wissen und lehren, welche Rolle die Sexualität für die Persönlichkeitsentwicklung, die Partnerschaft, die Gesundheit, die Lebensqualität und die spirituelle Entfaltung eines Menschen spielt.

In unserer Kultur ist alles, was man über Sexualität lernt, die Verhütung von Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften, die (rudimentäre) Anatomie der Geschlechtsorgane und vielleicht noch ein paar Details zu Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Wie man zu mehr „Spaß beim Sex“ kommt, lässt sich im halben Internet in meist sehr einseitiger und plakativer Form nachlesen. Das war’s dann aber auch schon mit der Wissensvermittlung.

Daher möchte ich Euch ermutigen, selbst zu forschen, zu lesen, gute Seminare zu besuchen und erfahrene Lehrerinnen und Lehrer zu finden, um diesen wichtigen Aspekt eines guten Lebens aktiv zu entwickeln! Viele Anregungen dazu gibt es wie immer hier in diesem Blog und auf meiner facebook Seite! Habt Freude beim Ausprobieren!

Foto: Bee

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